Montag, 5. Oktober 2009

Der Countdown läuft

Copyright: Presse & Marketing/ I. Weitermann

Potsdam 8:28 Uhr: Strahlend blauer Himmel bei kühlen 9 °C über der Landeshauptstadt. Fast stoisch rollt der Montagmorgen-Berufsverkehr durch die Innenstadt, vorbei am Luisenplatz, der längst aus seinem Schlaf erwacht ist. Von morgendlichen In-Ruhe-in-den-Tag-Starten kann hier keine Rede sein – die Organisatoren der Geschmackstage befinden sich in der heißesten Vorbereitungsphase für die nachmittägliche Eröffnungsveranstaltung. Geschäftiges Treiben überall – hier werden Teppiche ausgerollt, dort für die richtige Beschallung gesorgt. Die große Showküche wird aufgebaut, die Bühne dekoriert, Stehtische mit weißen Tischdecken versehen. Im Innern des großen Zeltes sitzen noch etwas müde, aber hoch motiviert und voller Freude 15 Brandenburger Studenten beisammen und erhalten die letzten Informationen als Ansprechpartner auf dem Luisenplatz. Vor ihnen liegt eine spannende Woche, bei der trotz der vielen Arbeit, die auf sie wartet, der Spaß im Vordergrund steht.

Einzig entspannt sind die Fahnen, die sich hoch über allem und vor dem Brandenburger Tor in der strahlenden Morgensonne wiegen. Die Geschmackstage können starten. Der Countdown läuft.

Schule kann auch cool sein

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Großbeeren. Während in Potsdam die letzten Vorbereitungsarbeiten für die große offizielle Eröffnung mit Sternekoch Johann Lafer am Nachmittag laufen, sind die Geschmackstage im Leibniz-Institut für Gemüse- und Pflanzenbau Großbeeren bereits in vollem Gange. Das IGZ ist als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft (www.wgl.de), eines der größten öffentlich finanzierten Forschungsinstitute der Gartenbauwissenschaften in Deutschland. Heute nun stellen 18 Schüler der Klasse 6d der Grundschule Großbeeren fest, ob und wie etwas schmeckt.

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Nachdem zunächst erst einmal die Verwechslung zur Namensgleichheit und ein Schülerirrtum, dass hier der Leibnizkeks herkommt, ausgeräumt ist, hören die Mädchen und Jungen aufmerksam (!) einer kurzen Einführung zu unseren Lebensmitteln zu. Kurzweilig führt Dr. Bernhard Büchner, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut, die Jungen und Mädchen in die Welt der Geschmackssinne ein. Als sie erfahren, dass jeder Mensch 10.000 Geruchsstoffe wahrnehmen kann, obwohl er nur über 300 Geruchsrezeptoren verfügt, wird selbst der Ehrgeiz des letzten coolen Zweiflers herausgekitzelt. Und nach anfänglichem Zögern und der Erkenntnis, dass man hier eine außergewöhnliche Schulstunde geboten bekommt, sind die 12- und 13-Jährigen mit Begeisterung dabei und werden zu ernsthaften kleinen Wissenschaftlern. Schließlich geht es darum, herauszufinden, welche Tomatensorte der ganz persönliche Favorit ist. So ordnen die jungen Forscher die roten Früchte in die unterschiedlichsten Geschmackskategorien ein. Dieser Tomatenbeliebtheitstest bringt im Laufe der Verkostung Erstaunliches zutage. Denn da Kinder ja bekanntlich am ehrlichsten sind – nehmen sie auch kein Blatt vor den Mund: Von sauer, grauenhaft, edel, süß, super, lecker, ausgezeichnet, bitter ist denn in der Auswertung auch jedes Geschmacksgefühl dabei. Und wer weiß – vielleicht wurde ja heute in Großbeeren ein neuer Tomatengeschmack geboren…?

Johann Lafer ist da!

14:30 Uhr. Zurück auf dem Luisenplatz. Es ist vollbracht! Der Platz hat sich kulinarisch und optisch herausgeputzt. Der zentrale Springbrunnen hat sein schönstes Kürbiskleid angelegt. In großen Pagodenzelten werden duftende Kräuter, Gläschen, Töpfchen, Tröpfchen ausgepackt und liebevoll dekoriert. Die ersten Neugierigen haben sich längst eingefunden, schlendern vorbei, begutachten die Stände, kommen bereits mit den ersten Ausstellern ins Gespräch und decken sich mit kleinen Köstlichkeiten ein! Nachdem die ersten Eindrücke für gut befunden und ausgewertet sind, nimmt man Platz an einer großen Tafel im Zelt. Rechtzeitiges Kommen sichert ja bekanntlich die besten Plätze.

Unbeirrt von den Zuschauern hält Küchenmeister und Ausbilder Stefan Gössl vom Berufsbildungswerk im Oberlinhaus die Zügel fest in der Hand und bereitet mit seinen Auszubildenden akribisch alles für die Kürbissuppenverkostung nach Johann Lafers Rezept vor. Tagelang haben sich die jungen Leute um Gössl vorbereitet, damit alles schmeckt und jeder Handgriff sitzt. Sie freuen sich auf den Sternekoch und noch mehr auf sein Urteil zur Zubereitung "seiner" Kürbis-Orangen-Suppe in ihrer eigenen Lehrküche.

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Dann ist er da. Das Warten hat sich gelohnt. Johann Lafer betritt pünktlich das Zelt und muss sofort viele Hände schütteln. Schnell werden Kochbücher, Servietten oder Programmhefte gezückt und die ersten Autogramme gesammelt. Das große Zelt ist proppenvoll, RBB Moderatorin Carla Kniestedt begrüßt unter großem Beifall neben Johann Lafer, die Parlamentarische Staatssekretärin im BMELV Ursula Heinen-Esser, Dr. Dietmar Woidtke, Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz, Elona Müller, Beigeordnete für Soziales, Jugend, Gesundheit, Ordnung und Umweltschutz der Landeshauptstadt Potsdam und Dr. Margareta Büning-Fesel vom veranstaltenden aid-infodienst. Und wer jetzt einen erhobenen Zeigefinger zur gesunden Ernährung erwartet, muss sich schleunigst "umorientieren". Schnell machen die vier Protagonisten deutlich, worum es geht: dass gemeinsames Essen und die Zubereitung mit einheimischen Produkten vor allem ein Ausdruck ehrlicher und bodenständiger Lebensfreude ist. Zu wissen, wo gesunde Lebensmittel in der Region hergestellt und weiterverarbeitet werden, verhilft den Menschen auf einfache Weise zu mehr Lebensqualität. Ob bunte Linsen mit Hackbällchen oder Kartoffel-Quark-Küchlein – sieben Tage Geschmackserlebnis präsentiert Lafer im Verlaufe der kurzen Gesprächsrunde mit täglichem Rezept und feinem Humor. Immer mit Blick auf die Ernsthaftigkeit und die Idee der von ihm initiierten Geschmackstage. Da wird auch mal in Großmutters Erfahrungsschatzkiste gestöbert und wie zur Bestätigung nicken die Zuhörer den Gesprächspartnern und Carla Kniestädt zu.

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Noch heißt es bis zur Verkostung der Kürbis-Orangen-Suppe ein wenig ausharren, denn unter herzlichem Beifall zollen Lafer, Esser, Woidtke und Müller bei einem persönlichen Rundgang allen anwesenden Produzenten im persönlichen Gespräch ihre Hochachtung. Und so lässt es sich Johann Lafer nicht nehmen, mit den Landfrauen frische Milch an Kinder zu verteilen.

 

 

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Gemeinsam verkosten die Prominenten frische Wildkräuter, probieren ausgefallene Marmeladenkreationen, schmecken aromatische Tomaten oder einen leckeren Blüten Ratafia. Dazwischen heißt es immer wieder Hände schütteln. Der Höhepunkt des gemeinsamen Rundgangs gipfelt schließlich in lauten fröhlichen Rufen von über 100 Kindern nach Johann Lafer und seinen Begleitern, um endlich den entscheidenden Gong zur offiziellen Eröffnung vorzunehmen. Gesagt, getan. Unter riesigem Hallo tönt dieser über den Luisenplatz und 499 Luftballons mit raffinierten Geschmackstage-Rezepten von Johann Lafer und Brandenburger Spitzenköchen steigen in den noch immer blauen Himmel, um die Botschaft der Geschmackstage in die Republik hinauszutragen.

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Was folgt, ist schnell erzählt: Der aromatische zarte Duft der für die Brandenburger Geschmackstage kreierten köstlichen Laferschen Kürbis-Orangen-Suppe, die er übrigens nach vorheriger Verkostung für exzellent befunden hat (wir erinnern uns, dass dieses Urteil den Kochazubis des Oberlinhauses ja noch fehlt), bahnt sich schnell seinen Weg nach draußen. Bei der Verkostung geht es gesellig zu. Das Warten wird mit sympathischer Fachsimpelei und eigenen Kocherfahrungen verkürzt. Dicht umringt sind alle vier Töpfe. Denn schließlich gibt es eine Kostprobe aus so prominenten Händen nicht alle Tage. Die Töpfe leeren sich schnell: ein "lecker", "köstlich", "sooo gut" oder "exzellent" ist aus jeder Ecke des Zeltes zu vernehmen. Keiner geht leer aus, selbst für Nachschlag ist gesorgt. Bis zur letzten Kelle halten Johann Lafer und seine prominenten Partner aus. Und selbst am Schluss bleibt Zeit für Autogramme, persönliche Gespräch und eine herzliche Umarmung mit dem einen oder anderen Potsdamer. Da darf man schon gespannt auf die Kochshow am Samstag sein. Wie sagt es die 84-Jährige lebenslustige Else Gabriely am Ende des Tages so schön: "Der Herr Lafer, das ist schon ein feiner Mann und so einer netter und einer guter Koch dazu." Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Übrigens: Frau Gabriely kommt auch am Samstag wieder.

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